Wissenschaftliche Versammlung 2021 von ICOS-D an der TU Dresden in Tharandt

13.09.2021 bis 15.09.2021

Anderthalb Jahre nach Beginn der Coronapandemie versammelten sich erstmals wieder Wissenschaftler, technische Mitarbeiter, Stakeholder und Gäste zu einem wissenschaftlichen Austausch rund um die Aktivitäten des ICOS-D Netzwerks. Gastgeber dieser im hybriden Format durchgeführten Veranstaltung waren die Kollegen des TU Dresden Clusters in Tharandt. Neben Statusberichten aus den drei Domains (Atmosphäre, terrestrische Ökosysteme, Ozeane) sowie den Laboren wurden aktuelle wissenschaftliche Studien vorgestellt und diskutiert.

Einen thematischen Schwerpunkt bildeten Beiträge der deutschen Waldstandorte. Es wurde u.a. gezeigt, wie sich CO2- und Wasserdampfflüsse nach Kahlschlägen sowie auf Moorflächen verhalten. Weiterhin wurde auf die Bedeutung langer Messreihen hingewiesen und die hauptsächlichen witterungsbedingten Treiber für den CO2-Austausch skizziert.

Weitere Themen bildeten generelle methodische Arbeiten sowie Vergleichsstudien aus dem Bereich der Ozeanmessungen und neue Ergebnisse verschiedener Forschungsaktivitäten zum Treibhausgasaustausch auf der Ostsee. Auch über den Stand beim Aufbau eines Integrierten Treibhausgas Monitorings sowie Vernetzungen zur Fernerkundungscommunity wurde berichtet.

Darüber hinaus beteiligen sich Wissenschaftler von ICOS-D an einer Sonderstudie, die hinsichtlich des warmen Winters 2019/2020 mit dem darauffolgenden Übertritt in den Corona-Lockdown, bei zeitweilig starker Reduzierung des Verkehrs sowie industrieller Emissionen, initiiert wurde. Eine weitere derzeit startende Sonderuntersuchung umfasst eine Synthese der Kohlenstoffflüsse europäischer Ackerstandorte. Hierbei wird untersucht, wie sich die aktuellen Managementmaßnahmen in Kombination mit der vorherrschenden Witterung auf die CO2-Flüsse und die Kohlenstoffvorräte in Ackerböden auswirken.

In Zukunft werden auch urbane Messtationen in das ICOS-D Netzwerk integriert werden. Den ersten Standort wird dabei die Berliner Eddy-Kovarianz-Station an der Rothenburgstraße bilden. Ein Konzept zur ganzheitlichen Abschätzung urbaner Treibhausgasemissionen wird im EU-Projekt PAUL (Pilot Application in Urban Landscapes) mit hoher deutscher Beteiligung entwickelt.

Da aufgrund der Coronamaßnahmen kein Public Event ausgerichtet werden durfte, informierten die Gastgeber im Rahmen eines Live-Streams über ihre Forschungsarbeiten im TU Dresden-Cluster, sodass auch in diesem Jahr ICOS-D einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte.

Abgerundet wurde das dreitägige Treffen durch eine Exkursion an die Ankerstation Tharandter Wald, einem Altfichtenbestand südlich von Dresden. Hier wird seit 1996 kontinuierlich neben vielerlei Zusatzmessungen der CO2-Austausch zwischen Wald und Atmosphäre sowie die Verdunstung bestimmt. Die Messungen bilden die längste derartige Zeitreihe in Deutschland. Der Fichtenbestand im Tharandter Wald ist über 130 Jahre alt bei einer mittleren Höhe von 30 m. Der Standort wird seit 1811 bewirtschaftet (u.a. Auflichtungen, Pflanzungen, Kalkungen). Die laufenden Maßnahmen zum Waldumbau (u.a. Pflanzungen von Buche und Tanne) haben zum Ziel, den derzeit dominierenden Anteil der Fichte zugunsten eines Mischwaldes zu reduzieren. Die letzten größeren Auflichtungen erfolgten 2002 (Entnahme von 60 m3 ha-1), 2011 und 2016 (jeweils 53 m3 ha-1).