ICOS unterstützt Wissenschaft und politische Entscheidungsprozesse – der erste umfassende Artikel über ICOS wurde veröffentlicht

Die Zunahme von Treibhausgasen in der Atmosphäre sorgt für eine besorgniserregende Erwärmung unseres Klimas. Dies hat bisher unbekannte Folgen, die durch die Komplexität des Erdsystems nur schwer abzuschätzen sind. Wir wissen zwar, dass die Hälfte des Kohlenstoffausstoßes, der durch fossile Brennstoffe in die Atmosphäre gelangt, von den Ökosystemen im Meer und an Land wieder aufgefangen wird, kennen aber immer noch nicht die genaue Größenordnung, Eigenschaft und Stabilität dieser Kohlenstoffsenken und welche Auswirkungen der Klimawandel auf sie hat. Dabei ist es für die Gesellschaft wichtig zu wissen, wie diese Senken genau funktionieren und ob sie weiterhin erhalten bleiben, um ein Konzept für den Weg zur Klimaneutralität zu erstellen.

(© ICOS ERIC)

„Um den aktuellen Status der Erde zu kennen, sollte man ihn am besten kontinuierlich, jahrzehntelang messen, um Veränderungen in der Natur erkennen zu können. Außerdem müssen wir diese Daten schnell genug bereitstellen, um politische Entscheidungsprozesse zu unterstützen“, sagt Jouni Heiskanen, der Erstautor des Artikels über den Zweck und die Funktion der ICOS Forschungsinfrastruktur. Heiskanen war Senior Science Integration und Liaison Officer in der ICOS Hauptzentrale und ist jetzt Leiter der Biologischen Forschungsstationen an der Universität von Helsinki.

Hochwertige Daten führen schneller zu verlässlicheren Ergebnissen

Das Integrated Carbon Observation System (ICOS, Forschungsinfrastruktur zur Messung von Treibhausgasen) wurde entwickelt, um ein europäisches Beobachtungs- und Informationssystem zu betreiben, das Wissenschaft und Gesellschaft dabei unterstützt, die Folgen des Klimawandels einzudämmen. Aktuell sammelt es standardisierte, frei zugängliche Daten aus mehr als 140 Messstationen in 13 europäischen Ländern.

Die ICOS-Messstationen beobachten Treibhausgase in der Atmosphäre und Kohlenstoff- und Treibhausgasflüsse zwischen der Atmosphäre und Landflächen und der Atmosphäre und den Ozeanen. Das Netzwerk deckt den europäischen Kontinent von Skandinavien bis zur Spanischen Halbinsel und von den Britischen Inseln bis zu den Wäldern in Ungarn und der Tschechischen Republik ab. Die benachbarten Meere werden mit Schiffslinien und Forschungsschiffen, die in dem Bereich unterwegs sind, erfasst.

Der Artikel erörtert außerdem die strengen Verfahren zur Qualitätssicherung unter den Wissenschaftlern der ICOS-Gemeinschaft, durch die eine hohe Qualität der Daten gewährleistet ist, sowie die Art, wie diese Daten für die Öffentlichkeit im ICOS Carbon Portal frei zugänglich sind.

Die festgelegten Prozesse, durch die hochwertige, abgestimmte ICOS Daten schnell verfügbar sind, und die Integration der Wissenschaftsgebiete Atmosphäre, Ozean und Ökosystem, ermöglichen der wissenschaftlichen Gemeinschaft, bestehende Wissenslücken zu erkennen sowie Forschungsthemen und -ergebnisse deutlich schneller zu erarbeiten, als sie es bisher gewohnt war. Der Artikel erwähnt insbesondere die Forschungsinitiative „Trockenheit 2018“, an der mehr als 200 Wissenschaftler teilnahmen, um die Auswirkungen des besonders trockenen Frühlings und Sommers 2018 zu untersuchen. Diese Initiative gab innerhalb von zwei Jahren nach der ersten Forschungsidee insgesamt 17 von Fachleuten geprüfte Artikel in einer anerkannten Fachzeitschrift heraus. Dies zeigt den hohen Nutzen, den die Gesellschaft aus einer gut vernetzten Gemeinschaft von Wissenschaftlern und einer festgelegten, standardisierten Datenerfassung durch ICOS zieht, das hochwertige Daten wenige Monate nach der ursprünglichen Beobachtung frei verfügbar macht.

Große Wissenschaftsfragen und ein kurzer Blick in die Zukunft

Eine weitere Forschung zu den lateralen Kohlenstoffflüssen von den Landmassen in die Ozeane, die zurzeit nur sehr ungenau quantifiziert werden können, wäre ebenfalls hilfreich. Auch wenn ICOS die ersten Schritte unternommen hat, um Kapazitäten aufzubauen, mit denen auch diese Flüsse gemessen werden können, bleibt doch noch viel zu tun.

Des Weiteren stellen die Autoren fest, dass in Ballungsräumen genauere Beobachtungen notwendig sind, weil diese stark bewohnten Gebiete Hotspots für den Ausstoß fossiler Brennstoffe sind und ständig wachsen. Hier wird eine erfolgreiche Emissionsreduzierung als erstes sichtbar sein. ICOS begegnet dieser Herausforderung mit dem Start eines neuen EU-Projekts „ICOS Cities – Pilot Applications in Urban Landscapes“ (ICOS Städte – Pilotanwendungen in urbanen Gebieten).

„Mit diesem Projekt möchten wir eine Reihe von Beobachtungsverfahren ausprobieren, indem wir städtische Pilot-Beobachtungsstationen entwickeln und aufbauen. Wir möchten verschiedene Werkzeuge und Dienste testen und vorstellen, mit denen diese Beobachtungen verarbeitet und analysiert werden können, und dabei die Anforderungen von Städten berücksichtigen und die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen unterstützen“, sagt Werner Kutsch, Generaldirektor von ICOS und Projektkoordinator.

Der Artikel befasst sich außerdem damit, dass ein europäisches Budget für die Kohlenstoff- und Treibhausgas-Emissionen, das bisher mit einem beträchtlichen einmaligen Aufwand zusammengetragen wurde, zukünftig jährlich über eine große Fläche mit weniger Unsicherheiten erstellt werden könnte. Die politischen Bemühungen, eine Entscheidung über die am besten umzusetzenden Klimaschutzmaßnahmen zu treffen, würden ebenfalls davon profitieren.

Zusammenfassend gibt es mehrere dringend benötigte Entwicklungen im Bereich der Kohlenstoffwissenschaft: Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Möglichkeit von terrestrischen und ozeanischen Kohlenstoffsenken, Kohlenstoff aufzunehmen? Wie kann die Verifizierung nationaler und lokaler Treibhausgasbestandsaufnahmen am besten unterstützt werden? Und wie kann die Effizienz von Eindämmungsmaßnahmen am besten verstanden und validiert werden?

Für den Kampf gegen den Klimawandel brauchen wir zuverlässige Daten. ICOS liefert sie.

Der ICOS-Artikel wurde im Bulletin of American Meteorological Society (BAMS) veröffentlicht. https://doi.org/10.1175/BAMS-D-19-0364.1.

Presseinformationen:
Katri Ahlgren, Head of Communications, ICOS
Tel.: +358 40 350 2557
katri.ahlgren@icos-ri.eu