Gebesee

Agrarstandort im Thüringer Becken

Seit 2001 wird bei Gebesee im Thüringer Becken die Spurengasbilanz einer landwirtschaftliche Fläche der Agrargenossenschaft Geratal in Andisleben untersucht. Die Messungen umfassen die Spurengase Kohlendioxyd, Lachgas und Methan. Darüber hinaus werden die Produktion der Pflanzen und die Erntenentzüge erfasst. Gebesee ist der seit längstem kontinuierlich mit einem Eddy-Kovarianz System beobachtete Agrarstandort in Europa. Die Messungen umfassen mittlerweile mehr als 2 Fruchtfolgen

Treibhausgas-Flüsse am Standort Gebesee aus der Prä-ICOS-Ära.
Treibhausgas-Flüsse am Standort Gebesee aus der Prä-ICOS-Ära. (© Thünen-Institut / Werner Kutsch)

Gebesee - ein typisches Beispiel für die Treibhausgasbilanz der europäischen Landwirtschaft?

Landwirtschaft ist eine Senke für atmosphärische Treibhausgase. Durch die Photosynthese der Kulturpflanzen wird der Atmosphäre Kohlendioxyd entzogen und der Kohlenstoff in der Biomasse gespeichert. Die Ernte steht uns als Nahrung oder Rohstoff (z.B. Faser) zur Verfügung. Als Bioenergie-Träger kann sie fossile Brennstoffe ersetzen. Gleichzeitig entstehen durch die Landwirtschaft aber auch Treibhausgase, die in die Atmosphäre abgegeben werden. Sie mindern die Senkenfunktion der landwirschaftlichen Flächen oder - anders ausgedrückt: mindern den Wert der landwirtschaftlichen Produkte für den Klimaschutz.

Die Grundlagen zur Bilanzierung von Quellen und Senken aus landwirtschaftlichen Flächen bedürfen langfristiger und sorgsamer Messungen, denn eine Bilanz kann nur im Mittel über mehrere Fruchtfolgen erstellt werden. Die sorgsame THG-Bilanzierung ist besonders für Bioenergieträger von Bedeutung, denn sie müssen aufgrund der Nachhaltigkeitsverordnung ein bestimmtes Treibhausgasminderungspotenzial erreichen.

Die Grafik zeigt die langfristig in Gebesee beobachteten THG-Flüsse. Flüsse in das Ökosystem (Senken) sind negativ dargestellt: dies sind vor allem die Netto-CO2-Aufnahme und die Zufuhr organischen Düngers. Quellen sind positiv dargestellt: neben der Ernte sind das die durch Stickstoffdüngung erhöhten Lachgas (N2O) Flüsse und die Emissionen der Maschinen zur Landbearbeitung. Im Mittel der Beobachtungsjahre stehen einem Erntegewinn von etwa 440 g C pro qm und Jahr Verluste von 160 g C-eq pro qm und Jahr gegenüber. Das heisst, dass durchschnittlich bereits 40 % des in den Ernteentzügen gebundenen Kohlenstoff durch Emissionen "auf der Fläche" verloren gehen.

Eine Studie mit 9 ähnlich ausgerüsteten landwirtschaftlichen Beobachtungsstationen in Europa zeigt, dass die Fläche in Gebesee recht gut den Durchschnitt dieser Flächen abbildete. Sie kann daher als ein typisches Beispiel für die europäische Landwirtschaft gelten.

Mehr Information: Dr. Christian Brümmer, Thünen-Institut für Agrarklimaschutz


Drohnenaufnahme durch: J.-P. Delorme.

Wissenschaftliche Publikationen, in denen Daten aus Gebsee verwendet wurden.

Anthoni PM, Freibauer A, Kolle O, Schulze ED (2004) Winter wheat carbon exchange in Thuringia, Germany. Agricultural and Forest Meteorology 121: 55-67

Anthoni PM, Knohl A, Rebmann C, Freibauer A, Mund M, Ziegler W, Kolle O, Schulze ED (2004) Forest and agricultural land-use-dependent CO2 exchange in Thuringia, Germany. Global Change Biology 10: 2005–2019

Kutsch WL, Aubinet M, Buchmann N, Smith P, Osborne B, Eugster W, Wattenbach M, Schulze ED, Tormellieri E, Ceschia E, Bernhofer C, Béziat, P, Carrara A, Di Tommasi P, Grünwald T, Jones M, Magliulo V, Marloie O, Olioso A, Sanz MJ, Saunders M, Søgaard H, Ziegler W (2010) The net biome production of full crop rotations in Europe. Agriculture Ecosystems and Environment 139: 336-345

Ceschia E, Béziat P, Dejoux JF, Aubinet M, Bernhofer Ch, Bodson B, Buchmann N, Carrara A, Cellier P, Di Tomasi P, Elbers, JA, Eugster W, Grünwald T, Jacob CMJ, Jans WWP, Jones M, Kutsch W, Lanigan G, Magliulo E, Marloie O, Moors EJ, Moureaux C, Olioso A, Osborne B, Sanz MJ, Saunders M, Smith P, Søgaard H, Wattenbach M. (2010) Management effects on net ecosystem carbon and GHG budgets at European crop sites. Agriculture Ecosystems and Environment 139: 363-383